Bei den “Eagles” oder “The Who” stilistisch zu Hause
Die Gruppe “Acoustical Jam” im Unnerhaus: ohne Effekthascherei, aber streckenweise zu romantisch balladesk
Von unserem Mitarbeiter Andreas Fillibeck
Sie kommt ohne die grosse Schau und ohne Effekthascherei aus, die Gruppe “Acoustical Jam”, die mit ihrer abwechslungsreichen Unterhaltungsmusik am Ostersonntagabend im Landstuhler Unnerhaus für Stimmung sorgte. Die Band hat nicht wenigen Partyrockbands so einiges voraus: nämlich saubere Handarbeit auf akustischen Gitarren, Bass und Schlagzeug, dazu eingängigen, meist stimmigen Chorgesang und Experimentierfreude.
So wagen sich die fünf Musiker an durchaus schwierige Interpretationen, etwa an den im Original sehr mastigen und volltönenden Titel “Another Prick in the Wall” von “Pink Floyd”. Dabei brilliert die Formation durch stimmige und eindringliche Arrangements, mit denen die Originale nicht kopiert, sondern ganz eigen und sehr hörbar auf die Möglichkeiten von “Acoustical Jam” zugeschnitten werden.
Spass beim Zuhören machen auch balladeske Titel der “Eagles” oder von “The Who”. Hier fühlen sich die Musiker der Gruppe zu Hause, ebenso bei treibenden Bluestiteln, die einerseits nahe an ihrer Tradition und andererseits modern genug dargeboten werden. Sehr angenehm wirkte darüber hinaus die gute und gefühlvolle Klangaussteuerung, die einen ungestörten Hörgenuss im voll besetzten Gewölbekeller des Landstuhler Unnerhauses erlaubte.
Wer in den späten Siebzigern oder frühen Achtzigern die Strassen unsicher machte, der fühlte sich von “Acoustical Jam” gut bedient, denn die meisten und vor allem die wohlklingendsten Titel im Programm der Band, stammen aus dieser Zeit.
Nicht ganz so gelungen dürften dagegen Nummern von “Police” oder “Kid Rock” empfunden worden sein; die eh schon sehr gefühlsschwangeren Stücke wurden einen Tick zu lauwarm vorgetragen, um wirklich gut zu erscheinen.
Überhaupt versucht “Acoustical Jam” vielleicht, zu vielen Geschmäckern gerecht zu werden.Folkige Balladen, American Folksong, Country, Rock und Blues - das ist insgesamt ein bisschen zu viel des Guten. Sicher täte es dem an sich sehr schönen und sauberen Programm der Gruppe gut, wenn man sich auf eine oder zwei Richtungen einigen könnte.
Auch dürfte das Ganze zeitweise eine Ecke griffiger und rockiger ausfallen, denn fast drei Stunden lang in den Tiefen romantischer Gefühle unterwegs zu sein, kann streckenweise ein wenig ermüdend und schon mal eintönig wirken.
Alles in allem zusammengefasst, braucht sich “Acoustical Jam” jedoch nicht vor einem Großteil regionaler Bands zu verstecken und ist sicher immer wieder für einen lockeren und stimmigen Abend gut.An den Gitarren, dem Bass und beim Gesang wurde eine anständige Arbeit abgeliefert, die davon zeugt, dass viele Stunden im Proberaum für ein vorzeigbares Programm unabdingbar sind.
Da konnte getrost verzichtet werden auf irgendwelche Trockeneisschwaden oder etwa ein exaltiertes Kleinst-Gehabe, um das Publikum zufriedenzustellen.
Die “Rheinpfalz” vom 30. März 2005 (Landstuhler Ausgabe)