EMOTIONAL    UND   HEMDSÄRMELIG   ERFRISCHEND

Die Westpfälzer Combo „Acoustical Jam“ spielt im Landstuhler Unnerhaus

Pop- und Rock-Cover mit individueller Note

Von unserem Mitarbeiter Walter Falk

Zwischen Skylla und Charybdis schwammen sie hindurch und landeten auf  der Insel

der Seligkeit. Im ersten Set hatte die Westpfälzer Combo „Acoustical Jam“ am Frei-

tagabend im Landstuhler „Unnerhaus“ leichte Probleme mit der Abstimmung: der Bass

war nicht druckvoll genug eingestellt, manche Blues-Stücke waren im Rhythmus leicht

„verschnuddelt“. Aber auch da zeigten die Musiker um den Bandgründer Matthias Kin-

der, was sie drauf haben. Ab dem zweiten Set lief es dann richtig rund, und in dem prop-

penvollen Kellergewölbe tanzte der Bär.

Spezialisiert haben sich die sechs Musiker aus der Region zwischen Landstuhl und

Enkenbach-Alsenborn auf den typischen Westcoast Pop-Rock, und grossen Wert legen

Sie auf harmonischen, mehrstimmigen Gesang sowie einen klaren akustischen Sound. Der

wird eindeutig dominiert von den beiden Gitarristen Matthias Kinder und Thomas Geib.

Den Fels in der Brandung bildet Manuel Distler am Bass, während Patrick Metzger an

Blechen und Fellchen sanft, aber bestimmt die rhytmische Richtung anzeigt. Da alle Vo-

kalisten ein ausgeprägtes Gefühl für Melodien und emotionale Empfindsamkeit haben,

gelingt  es ihnen, die Songs von „R.E.M.“, „The Who“, „The Eagles“, Cat Stevens, Eric

Clapton oder Bruce Springsteen mit Klarheit umzusetzen. Fast haben die Titel zu viel

Zucker, und  Diabetiker hätten ihr Problem damit, wenn nicht Thomas Geib mit seiner

erfrischenden, hemdsärmeligen Art die Stücke aufmotzen, ihnen etwas von ihrer Politur

nehmen würde. Mit der pfälzischen  „Proud Mary“ („Roll emol e riwwer!“) brachte er

Leben in die Bude.

Mit sinnlich belegter Stimme, in deren Timbre sich Erwärmung und Abschied zu vereinen

schienen, hauchte Jeannette Fehrentz den Songs das „gewisse Etwas“ ein. Wenn sie noch

lernt, mit der Dynamik richtig umzugehen, wird sie durchaus eine interessante Sängerin. Mit

virtuosen Boogie-Piano-Einsprengseln imponierte Michael Weikenmeier. Seine charakteri-

                       stischen Riffs, der treibende Rhythmus gaben den Stücken eine individuelle Note.

Die “Rheinpfalz” vom 14. Februar 2005